Hitze im Alter: Rechtzeitig handeln, bevor ein Notfall entsteht
- Pressemitteilung
Tage über 30 Grad, Nächte, die kaum abkühlen: Was für viele nach Freibad und Ferien klingt, ist für ältere Menschen mehr als eine Belastung des Wohlbefindens. Hohe Temperaturen können zu Austrocknung, Kreislaufproblemen, Stürzen, Verwirrtheit und einer Verschlechterung chronischer Erkrankungen führen. „Hitze macht ältere Menschen häufig langsam und zunächst unauffällig krank“, erklärt MUDr. Viktor Ruzicka, Chefarzt der Klinik für Geriatrie der Thüringen-Kliniken. „Deshalb sollten wir nicht erst handeln, wenn die betroffene Person zusammenbricht.“
Ältere Menschen schwitzen häufig weniger und können überschüssige Körperwärme schlechter abgeben. Gleichzeitig nimmt das Durstgefühl ab. Ein Flüssigkeitsmangel wird deshalb oft erst spät erkannt. Besonders gefährdet sind hochbetagte und pflegebedürftige Menschen, Personen mit Demenz oder eingeschränkter Mobilität sowie Patientinnen und Patienten mit Herz-, Lungen-, Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen. Ein zusätzliches Risiko besteht, wenn ältere Menschen allein leben.
Für viele Seniorinnen und Senioren sind täglich etwa anderthalb bis zwei Liter Flüssigkeit eine sinnvolle Orientierung, sofern medizinisch nichts dagegenspricht. Geeignet sind Wasser, Mineralwasser, ungesüßter Tee oder verdünnte Saftschorlen. Bei Herz- oder Nierenschwäche muss die Trinkmenge allerdings individuell ärztlich festgelegt werden. Einige Arzneimittel können bei großer Hitze den Kreislauf, den Flüssigkeitshaushalt oder die Temperaturregulation beeinflussen. Dazu gehören unter anderem entwässernde Medikamente, bestimmte Blutdrucksenker, Psychopharmaka und Diabetesmedikamente.
Die Medikamente dürfen jedoch nicht eigenmächtig abgesetzt oder reduziert werden. Bei einer längeren Hitzeperiode sollte der Medikamentenplan durch die Hausarztpraxis überprüft werden, empfiehlt der Chefarzt. Auch die Lagerungshinweise müssen beachtet werden.
Gelüftet werden sollte nachts und in den frühen Morgenstunden. Tagsüber bleiben Fenster möglichst geschlossen und die Räume werden durch Rollläden, Jalousien oder Vorhänge verschattet. Anstrengende Tätigkeiten und Einkäufe sollten auf den Morgen oder Abend verlegt werden. Leichte Kleidung, eine Kopfbedeckung, Schatten und ausreichender Sonnenschutz reduzieren die Belastung zusätzlich. Lauwarme Duschen, feuchte Waschlappen sowie kühle Arm- oder Fußbäder können für Abkühlung sorgen.
Zu den Warnzeichen einer Austrocknung oder Hitzeerkrankung gehören:
- Schwindel und ungewöhnliche Schwäche,
- Gangunsicherheit und Stürze,
- Kopfschmerzen,
- Übelkeit oder Erbrechen,
- trockener Mund,
- wenig oder dunkler Urin,
- Schläfrigkeit, Unruhe oder neu auftretende Verwirrtheit.
„Eine plötzlich auftretende Verwirrtheit sollte bei einem älteren Menschen niemals vorschnell mit dem Alter oder einer Demenz erklärt werden. Dahinter können Flüssigkeitsmangel, eine Überhitzung oder eine andere akute Erkrankung stehen“, betont Chefarzt Dr. Ruzicka. Bei einem Kollaps, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen oder sehr hoher Körpertemperatur muss sofort der Rettungsdienst unter 112 gerufen werden. Bei anhaltenden, aber nicht unmittelbar lebensbedrohlichen Beschwerden stehen die Hausarztpraxis und der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 zur Verfügung.
Während einer Hitzewelle sollten allein lebende ältere Menschen regelmäßig angerufen oder besucht werden. Getränke sollten sichtbar und in Reichweite stehen. Hilfreich sind konkrete Fragen nach der Trinkmenge, dem Befinden, Schwindel, Urinausscheidung und der Temperatur in der Wohnung.
„Hitzeschutz ist eine gemeinschaftliche Aufgabe. Ein täglicher Anruf, ein Glas Wasser und Hilfe beim Einkauf können verhindern, dass aus einer Belastung ein medizinischer Notfall wird“, so Dr. Ruzicka. Er empfiehlt diesen Merksatz: Regelmäßig trinken, die Wohnung kühl halten, Anstrengung vermeiden, Medikamente ärztlich überprüfen lassen und Warnzeichen ernst nehmen.