Darmmikrobiom – ein wichtiger Schlüssel für unsere Gesundheit

  • Pressemitteilung

Als Präsident der International Microbiota Society war Professor Dr. med. Peter Konturek auch in diesem Jahr an der Organisation der Microbiota-Konferenz beteiligt. Mikrobiologen, Infektiologen, Gastroenterologen, Genetiker, Epidemiologen und Molekularbiologen aus 27 Ländern diskutierten auf der Insel San Servolo in der Lagune von Venedig über die neuesten wissenschaftlichen und klinischen Erkenntnisse zur Rolle des Darmmikrobioms.

Professor Konturek als Co-Vorsitzende bei einer wissenschaftlichen Session der "International Microbiota Society" mit (von links) Professor Maria C. Giron (Universität Padua) Professor Vincenzo Di Pilato (Universität Genua) und Professor Silverman (Universität Pennsylvania, Philadelphia)

Professor Konturek stellte in seinem Vortrag die Auswirkungen der COVID-19-Infektion auf das Darmmikrobiom dar. Die eigenen Studien, die in Zusammenarbeit mit der Universität Erlangen (Professor Y. Zopf, Hector-Center) durchgeführt wurden, zeigen, dass die COVID-19-Infektion zu gravierenden negativen Verschiebungen innerhalb des Darmmikrobioms (intestinale Dysbiose) führen kann. Diese Veränderungen bleiben auch nach Ausheilung der Infektion lange Zeit bestehen. Die Auswirkungen können sehr gravierend und diese Veränderungen können für die Entstehung eines POST-COVID-Syndroms mitverantwortlich sein. Ein Teil der Betroffenen kann funktionelle Darmerkrankungen, wie ein postinfektiöses Reizdarmsyndrom oder eine funktionelle Dyspepsie, entwickeln. Auch psychosomatische Komorbiditäten, wie anhaltende Fatigue, können maßgeblich von Veränderungen des Darmmikrobioms beeinflusst werden.

Während der Konferenz wurden auch andere Themen vorgestellt, wie die pathophysiologische Rolle des Darmmikrobioms bei der Entstehung von Autoimmunerkrankungen (chronisch entzündliche Darmerkrankung, Multiple Sklerose, Diabetes mellitus Typ 2), bei der Entstehung von malignen Erkrankungen (Darmkrebs, Leberkrebs, Pankreaskrebs) und bei Alzheimer-Demenz.

Im Fokus der Konferenz stand außerdem die Bedeutung der künstlichen Intelligenz (KI). Mit Hilfe von KI könnte es vielleicht bald möglich sein, ein kolorektales Karzinom oder Colitis ulcerosa viel früher zu erkennen. Außerdem kann künstliche Intelligenz genetische Daten aus dem Mikrobiom effektiver analysieren, um die Rolle verschiedener Mikroorganismen besser zu identifizieren.

Schließlich wurde auch über die Bedeutung von verschiedenen mikrobiomassoziierten Stoffwechselprodukten diskutiert. Diese Stoffwechselprodukte können in verschiedenen Organen als Signalmoleküle fungieren oder das Immunsystem stark beeinflussen. Die Analyse dieser Produkte (Metabolom-Analysen) ermöglichen schon bald, die Risiken für verschiedene chronische Erkrankungen besser zu erkennen und damit effektiver vorzubeugen.

Alle Teilnehmer der Konferenz waren sich einig, dass die menschliche Gesundheit eng mit dem Mikrobiom verbunden ist. Die Forschung hierzu entwickelt sich rasant.