Saalfelder Chefarzt zur Tagung der internationalen Microbiota-Society in Berlin

(10.11.2017)

Saalfeld/Berlin. Bereits zum fünften Mal trafen sich rund 350 Experten aus der ganzen Welt, um über die Bedeutung des Mikrobioms für die Entwicklung von chronischen Erkrankungen zu diskutieren. Professor Dr. Konturek, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin II, und Professor Edeas von der Universität Paris Descartes waren zusammen als wissenschaftliche Koordinatoren für die Vorbereitung des wissenschaftlichen Programms verantwortlich.

Professor Dr. Konturekvergrößern In seinem Vortrag sprach Professo Dr. Konturek über die therapeutische Möglichkeiten, das Darmmikrobiom zu beeinflussen. Innerhalb von zwei Tagen wurden verschiedene Beiträge zum Thema Mikrobiom als Vorträge bzw. als Poster präsentiert. Im Fokus der diesjährigen Konferenz standen vier Themenblöcke: Fortschritte auf dem Gebiet der Mikrobiota, Entwicklungen im Bereich der Diagnostik der Mikrobiota, therapeutische Möglichkeiten zur Modulation des Darmmikrobioms und mögliche Verbindungen zwischen Darmmikrobiom und Erkrankungen außerhalb des Gastrointestinaltraktes.
Im ersten Teil konnten  unter anderem neue Ergebnisse bezüglich der Rolle der Darmmikrobiota bei der Entstehung von Autoimmunerkrankungen (Diabetes Typ 1, Zöliakie etc.) präsentiert werden. In weiteren Vorträgen wurden einige neue Substanzen vorgestellt, die von den Darmbakterien synthetisiert werden und Einfluss auf die Entstehung von chronischen Erkrankungen ausüben könnten. Dazu gehören unter anderem. kurzkettige Fettsäuren, Indole (Schwefelwasserstoff – H2S) oder Trimethylaminoxid (TMAO).

In einem weiteren Themenblock wurden neue Methoden zur Diagnostik der Darmmikrobiota vorgestellt. Besonders interessant war die Vorstellung der Durchflusszytometrie oder der RNA-basierten Isotop-Methode, um die Funktion der Bakterien direkt am Darm zu untersuchen. Im dritten Themenblock, der sich hauptsächlich mit der Verbindung zwischen veränderter Zusammensetzung der Darmmikrobiota (Dysbiose) und extraintestinalen Erkrankungen beschäftigte, wurde eine Reihe sehr interessanter Vorträge vorgestellt. So konnte unter anderem die Arbeitsgruppe um Johannes Hov von der Universität Oslo/Norwegen die Rolle der Darmbakterien bei der Entstehung von chronischen Entzündungen der Gallenwege (primär sklerosierende Cholangitis) gezeigt werden. Diese Erkrankung, die sehr oft sehr junge Patienten betrifft, wurde bis dato nur mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen assoziiert. Die Daten aus Norwegen deuten darauf hin, dass die Darmbakterien eine entscheidende Rolle in der Pathogenese dieser Erkrankung spielen könnten. Faszinierend war außerdem der Vortrag von Paul Forsythe von der MC Master Universität in Kanada. In einer Reihe von Tierexperimenten konnte er einen kausalen Zusammenhang zwischen der Exposition zu Stress und Störungen der Darmmikrobiota zeigen. Diese Störungen führten durch die Störung der Hirn-Darm-Achse zur Entstehung von Verhaltensstörungen und kognitiven Störungen.

Im letzten Teil wurden Beiträge zur Modulation der Darmmikrobiota mittels Probiotika, Next-Generation-Probiotika, fäkaler Mikrobiota-Transplantation (FMT) zur Behandlung von chronischen Erkrankungen vorgestellt. Prof. Konturek konnte zeigen, dass die FMT vielversprechende Ergebnisse bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms zeigt. Diese Beobachtungen werden auch durch andere Arbeitsgruppen weltweit bestätigt. Die Rolle der FMT bei der Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ist ebenfalls vielversprechend. Allerdings müssen hier weitere randomisierte placebokontrollierte Studien erfolgen. Interessant war auch der japanische Beitrag aus Osaka, in dem gezeigt wurde, dass ein spezieller probiotischer Stamm (Bifidobacterium lactis) die Entwicklung eines metabolischen Syndroms im Tierexperiment verlangsamen kann.

Insgesamt diente die zweitägige Konferenz als eine exzellente Plattform zum Erfahrungsaustauch zwischen den Grundlagenforschern und Klinikern, die zum Thema Mikrobiom forschen. Die nächste Veranstaltung findet in einem Jahr an der Universität Mailand in Italien statt.

Professor Dr. Konturek und Herve Blottierevergrößern Prof. Konturek und der Mikrobiomexperte aus Paris, Hérve Blottière, leiten als Chairmen eine Vormittagssitzung. Hérve Blottière koordiniert als Direktor eines nationalen französischen Forschungsinstitutes viele EU-Projekte zum Thema Darmmikrobiom.

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