Einsatzkräfte üben beim Trauma-Tag in Lauenstein

(04.10.2018)

Lauenstein/Saalfeld. Zum vierten Mal veranstalteten die Thüringen-Kliniken „Georgius Agricola“ und der BRK-Kreisverband Kronach bei Lauenstein den Thüringisch-Fränkischen Traumatag. Nach dem einführenden Vortrags-Teil am Freitag, stand der Samstag für Übungsszenarien zur Verfügung.

Szenario-1----Waidmannsheil-und-Quer-zu-Sau_webvergrößern Bei einer Treibjagd wird eine Person von einem Querschläger getroffen und trägt eine stark blutende Wunde davon. Foto: Heike Schülein „Waidmannsheil und Quer zu Sau“, „Wenn die Blase platzt oder Lichtblicke durch den Frankenwald“, „In luftiger Höhe“ und „Heißer Morgen“ - Harmlos klingen sie: Die Überschriften über die vier Außenstationen des Thüringisch-Fränkischen Traumatags, die die acht teilnehmenden Vierer-Teams in einem Parcours durchliefen. Doch hinter diesen – die Phantasie anregenden – Bezeichnungen verstecken sich wahre Horror-Szenarien, wie sie glücklicherweise nicht jeden Tag vorkommen, aber schon morgen Realität werden können.
In „Waidmannsheil und Quer zu Sau“ wird bei einer Treibjagd eine Person von einem Querschläger getroffen und trägt dabei eine stark blutende Wunde davon. Beim „Heißen Morgen“ explodiert bei einem Zeltlager einer Jugendgruppe eine Propangas-Flasche. Ein junger Mann erleidet schwere äußerliche wie auch innere Verletzungen und muss künstlich beatmet werden. „In luftiger Höhe“ muss die Bergwacht einen Wanderer retten. Der Mann klagt beim Besteigen der über 25 Meter hohen Thüringer Warte  über akute Brustschmerzen und muss – mit Verdacht auf einen Infarkt – innerhalb des Gebäudes in einem Rettungssack abgeseilt werden. „Wenn die Blase platzt oder Lichtblicke durch den Frankenwald“ simuliert ein Entbindungsszenario in einem Rettungswagen.  Erstmals überhaupt wurde dabei eine sogenannte „Real Mom“ in einem Rettungswagen in Deutschland eingesetzt. Der von einer amerikanischen Firma hergestellte Frauen-Ganzkörper-Simulator ist erst ab kommendem Januar auf dem Markt.
Szenario-2----Wenn-die-Blase-platzt_webvergrößern In einem Rettungswagen wird eine Entbindung simuliert. Erstmals überhaupt wurde dabei eine „Real Mom“ - ein Frauen-Ganzkörper-Simulator - in einem Rettungswagen in Deutschland eingesetzt. Foto: Heike Schülein
Dass diese Simulation bereits jetzt zum Einsatz kommt, ist den „Gründungsvätern“ des Thüringisch-Fränkischen Traumatags, den beiden Notfallsanitätern Sascha Heidrich und Andreas Schubert, zu verdanken. Die Mitarbeiter des Regiomed-Rettungsdiensts (Heidrich) beziehungsweise DRK-Rettungsdiensts Saalfeld (Schubert) verfügen über hervorragende Kontakte und ein großes Netzwerk, sodass auch bei den anderen Außenstationen durchwegs allerneueste Technik zum Einsatz kam. Was 2014 auf ihre Initiative hin als lokale Weiterbildung einiger Interessierter in fränkisch-thüringischer Waldluft begann, hat mittlerweile weit überregionale Beachtung gefunden und Bedeutung erlangt. Ihr besonderer Dank galt den regionalen Firmen für die großzügige Unterstützung, ohne die die Veranstaltung nicht in dieser Form hätte stattfinden können.
Der Zuspruch war auch heuer enorm. Erstmals dabei waren beispielsweise Peter Kopp und Manuel Rosenmüller. Die beiden Notfallsanitäter der Johanniter-Rettungswache Rudolstadt zeigten sich insbesondere von den interessanten und lehrreichen Fallbeispielen mit hohem Praxisbezeug begeistert. „Ich nehme viel für die Praxis und Realität mit. Es ist eine gute Auffrischung und zugleich ein Motivationsschub“, lobte Kopp. Enorm wichtig sei das länderübergreifende Konzept, um auf eine gemeinsame Zusammenarbeit im Notfall vorbereitet zu sein. Ebenfalls zum ersten Mal nahm der in Ludwigsstadt niedergelassene Orthopäde, Dr.Andreas Hutschenreuther, daran teil. Das waldreiche Gebiet in Lauenstein sei – seiner Meinung nach – für einen solchen Traumatag der ideale Übungsort.  

Am Nachmittag kam – für die Teilnehmer völlig überraschend – eine fünfte Station hinzu. Dabei wurde eine Extremsituation nachgestellt. Eine Gruppe alkoholisierter junger Leute baut im Wald einen Verkehrsunfall. Es gibt mehrere Schwerverletzte innerhalb und außerhalb des Fahrzeugs. Hinzu kommt, dass im Wald  Baumfällarbeiten stattfinden und deswegen die dadurch versperrte Zufahrt erst einmal freigeräumt werden muss. Dankenswerter Weise stellt hierfür Klaus Güntsch sein Waldgrundstück zur Verfügung.

Das Programm begann am Freitag mit einem umfassenden Vortragsteil im BRK-Seniorenhaus Ludwigsstadt. Hierfür konnten hochqualifizierte Referenten gewonnen werden. Neben der Besprechung von Behandlungsprinzipien ging man dabei auch auf aktuelle Themen wie Terrorgefahr und rechtliche Grundlagen des Handelns der Notfallsanitäter ein. Begrüßt wurden alle Teilnehmer eingangs vom Ludwigsstädter Bürgermeister Timo Ehrhardt sowie Kronachs stellvertretenden Landrat Gerhard Wunder. Ehrhardt zeigte sich sehr stolz, dass Ludwigsstadt erneut Gastgeber für diese so wichtige länderübergreifende Veranstaltung sein dürfe. Beider Dank galt allen Teilnehmern, die sich in ihrer Freizeit ein ganzes Wochenende lang weiterbildeten wie auch allen Helfern. Der Theorie folgte am Samstag die Praxis. Vom Sportgelände des SC Lauenstein aus, fand das Training an den Stationen statt. Geübt wurde unter Bedingungen nah an der Rea­lität - mit dem Ziel einer stetigen Verbesserung  der Versorgungsqualität in der Notfallrettung. Die Übungsszenarien wurden mit den Workshop-Stationen „Luftröhrenschnitt“ und intraossärer Gefäßzugang“ ergänzt.  

Die Fortbildung fand zusammen mit Anästhesisten und Unfallchirurgen, die Notfalldienste fahren, der Thüringen-Kliniken statt. Es wurden acht Teams gebildet – mit jeweils drei bis vier Helfern - bunt gemischt, organisationsübergreifend. Zu jedem Team gehörten auch ein Notarzt sowie Instruktoren. Diese beobachteten die Erstversorgung und gaben den Einsatzkräften Rückkoppelung, was gutgelaufen war beziehungsweise man noch verbessern könnte. „Die Kommunikation ist das A und O“, verdeutlichte der Pressesprecher Stephan Breidt der Thüringen-Kliniken die Wichtigkeit der Koordination der einzelnen Schnittstellen untereinander. In zwei Jahren wird es die fünfte Auflage und damit schon ein kleines Jubiläum des Thüringisch-fränkischen Traumatags geben.

Szenario-4---Heißer-Morgen_webvergrößern Bei einem Zeltlager einer Jugendgruppe explodiert eine Propangas-Flasche, wodurch ein junger Mann schwere äußerliche wie auch innere Verletzungen erleidet. Beobachtet von den drei Instruktoren üben die Teams diesen Einsatz. Foto: Heike Schülein

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